40 Kilo Liebe pur

Das ist eine Leseprobe aus 40 Kilo Liebe pur 😀

Ein kurvenreicher Weg. Sammie verschwand hinter einer scharfen Biegung.
War meiner Kontrolle entzogen. In mein Blickfeld trat ein Mann. Aus der Richtung, in der Sammie verschwunden war. Der Mann war allein, ohne Hundebegleitung. Seine Miene, seine Haltung sagte alles. Sagten mir, was zum x-ten Mal folgen würde. Der Kerl war sichtlich wütend. Wütend wegen eines Hundes, der nicht angeleint war. Das ging doch nicht! Wozu gab es Vorschriften, klar und eindeutig. Jemand der Vorschriften nicht beachtet, kann kein guter Deutscher sein.

Nun stand er vor mir. Ein gesetzestreuer Deutscher durch und durch. Korrekt gescheiteltes Haar. Dunkle Hornbrille. Trotz Sonnenschein Anzug und Krawatte. Nur ich konnte der Gesetzesbrecher sein. Wer in der Öffentlichkeit so rum läuft, der lässt auch gefährliche Hunde frei laufen. Turnschuhe ohne Socken, Turnhose, Polohemd waren für ihn ein Outfit für die heimischen Wände. Keinesfalls für einen Waldspaziergang. Gestählt durch viele siegreich bestandene Wortgefechte, sah ich Musterexemplar Deutsch gelassen entgegen. Was konnte er schon anderes sagen, als viele Meckerer vor ihm.

„Ihr Hund? Warum ohne Leine?“
Genau so kam es.
Irgendwie schon lachhaft, wie sehr sich diese Kleingeister ähnelten. An diesem Tag bester Laune gedachte ich, ein Theaterstück aufzuziehen.
„Gehört der Hund Ihnen?“ kam die erwartete Eröffnung.
„Welcher Hund?“, antwortete ich sehr ernst.
„Der mir eben entgegen kam“, versuchte Herr Deutsch zu helfen.
„War der Hund klein?“
„Nein, mittelgroß“.
Herrlich. Der Blödmann merkte nichts.
„War es ein schwarzer Hund?“
„Nein, der Hund hatte ein braunes Fell“.
Merkte er denn nicht, dass ich immer das Gegenteil von dem fragte, wie Sammie aussah?
Dass ich immer Fragen stellte, die er mit Nein beantwortete. Genussvoll setzte ich das Spiel fort.
„Hm. Braunes Fell. Kurzhaarig?“
„Nein, er hatte ein langes Fell“.
Jetzt kam ich zu dem Punkt, der den Streit auslösen würde.
„War der Hund an der Leine?“
„Nein. Eben nicht“.
„Nicht angeleint. Dann war es mein Hund“.

Nun konnte Herr Korrekt endlich zum Angriff blasen. Dachte er.
„Und warum lassen Sie Ihren Hund ohne Leine laufen, mein Herr?“
Ein strenger Blick durch seine Hornbrille sollte mir wohl Angst machen.
Tat er nicht.

Ein wenig Verlegenheit, ein wenig Schuld zeigen konnte hilfreich sein, die Komödie etwas in die Länge zu ziehen. Ich war neugierig, was der Idiot noch bieten würde.
„Ja, wissen Sie, mein Hund ist sehr brav. Da dachte ich, ich brauche keine Leine“.
„Da irren Sie gewaltig. Zum einen gibt es Vorschriften, die gebieten, einen Hund nur an der Leine zu führen. Zum anderen ist Ihr Hund nicht brav. Er stand drohend vor mir, mit gefletschten Zähnen. Es war furchterregend. So ein Tier gehört an die Leine, mein Herr“.
Aha. Den Korrekten spielen und lügen.
Sammie mit gefletschten Zähnen? Ich musste lächeln.
„Was gibt es da zu lachen? Unverschämt“.

Unverschämt wurde seine Tonlage. Zuerst lügen, dann noch kess werden! Genug. Es war an der Zeit, die Komödie zu beenden. Den Vorhang fallen zu lassen. Kess oder frech werden konnte ich besser als er. Ich war geübter, abgehärteter.
„Ehe Sie weiter mosern, schlagen Sie einen anderen Ton an. Sie reden hier nicht mit einem kleinen Kind. Außerdem habe ich nicht gelacht, ich habe gelächelt. Ich lächele immer, wenn mich jemand dreist belügt. Und Sie haben gelogen. Mein Hund hat Sie nie und nimmer bedroht“.
Erstaunt hoben sich seine Augenbrauen. Wo war meine Verlegenheit, wo mein Schuldbewusstsein geblieben? Unversehens stand ein neuer Mensch vor ihm.
„Ich habe nicht gelogen. Wenn ich sage, dass es so war, stimmt das auch“.
Ein genialer Einfall – zu dem ich mir später anerkennend auf die Schultern klopfte – sollte zum letzten, vernichtenden Schlag werden. Ich trat zwei Schritte zurück. Musterte ihn vom korrekten Scheitel bis zu seinen blanken Schuhen.

„Na ja. Ehrlich gesagt, wenn ich Sie so sehe, kann ich meinen Hund sogar verstehen. Damit ist auch schon das Thema Hund für mich beendet. Sie langweilen mich mittlerweile“.
Bevor er einer Antwort fähig war, ging ich langsam in Turnschuhen ohne Socken davon. Folgte meinem gefährlichen Hund.
Undeutlich hörte ich hinter mir Wortfetzen wie unglaublich, nicht zu fassen, Polizei, Gefängnis.

Dieses Buch hat 248 Seiten.

ISBN: 978-3-942150-30-9

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Ihr Hubert Plug

Hubert
Unabhängig davon, ob ich einen Krimi, einen normalen Roman oder ein Tierbuch schreibe, achte ich darauf, dass der Humor nicht zu kurz kommt. Zudem kann ich als Kölner kein Blatt vor den Mund nehmen. Das Ergebnis ist ein locker, flockiger Schreibstil, der auch die Erotik nicht außen vor lässt.
Hubert

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