Adieu – ohne mich

Sachen gibt´s, die gibt´s nicht. Die darf man sich noch nicht einmal ausmalen. Selbst wenn sie in Albträumen erscheinen, sollte man schleunigst aufwachen. In diesem speziellen Fall, der mir vorschwebt, betreffen diese Aussagen allerdings das männliche Geschlecht. Ja, meine Herren, ausschließlich das männliche Geschlecht. Das heißt im Klartext, die von uns verehrten Damen sind fein raus.
Um meine Leidensgenossen nicht unnötig auf die Folter zu spannen, verkünde ich an dieser Stelle erst mal, was ein Artikel in einem Käseblättchen meinen ungläubigen Augen zugemutet hat.
Irgendein Herr Müller (vielleicht auch Herr Meier), seines Zeichens Nobelpreisprofessor, rückt mit der These raus, dass wir Männer vom Jahre 2165 an im Eimer sind.
Was das bedeuten soll? Aufgepasst.
Laut Müller/Meier führt der Lauf der Natur unwiderruflich und endgültig dahin, dass die Weibchen aus eigenem Können nur noch Töchter gebären. Das heißt, ab 2165 kommen alle Kinder als Halbwaisen zur Welt. Der Papa wird zum überflüssigen Relikt aus seliger Vergangenheit degradiert.
„Mach es selbst“, bis dato eine Aufforderung, die sich zum Beispiel auf das Basteln von Gartenbänken bezog. Vielleicht auch noch …. Schwamm drüber.
Und jetzt soll der kleine – oder große – Unterschied, der Mann und Frau kennzeichnet, von der Natur abgehalftert werden?
Frauen sollen hinaus ins feindliche Leben. Allein. Ohne die schützende Hand des Mannes. Dann wird es nur noch ein kleiner Schritt sein, und dem letzten Mann wird die Rippe zerdeppert, die Adam ihm lieh.
2165 hat es sich ausgemannt. Selbst ist die Frau!!
Mag sein, dass Müllers/Meiers Prognose erst in tausend Jahren Wirklichkeit wird. Dennoch platzte mir der Kragen, als ich das Geschmiere lesen musste. Fragen drängten sich auf, die ich dem klugen Mann gerne an den Kopf geworfen hätte.
Wie gestaltet sich der technische Ablauf?
Braucht man im Zeitalter der Automatisierung nur noch auf den Knopf zu drücken, und das Baby strampelt einwickelbereit in der Wiege? Was ist mit Liebe? Was mit Sex?
Werden in Museen Utensilien wie Rasierapparate Erinnerungen an den Mann wachhalten?
Werden Langspielplatten von Elvis Presley oder Julio Iglesias in der Schreckenskammer als Beweise überstandener Lügenromantik aufgereiht?
Wird das Eingeschlecht die Scherzparole „es lebe der kleine Unterschied“ des Mittelalters um 1970 verhöhnen?
Nichts wird mehr DER sein. Alles ist nur DIE. Klar, man soll mit Ängsten keinen Spaß treiben. Zumal man nie genau wissen kann, ob sich Müller/Meier nicht in seiner Zeitrechnung geirrt hat. Und der Rummel schon morgen vor der Tür steht.
Aber, was meine Person betrifft, in diesem Fall trete ich gerne die letzte Reise an.
Was hält mich noch zurück in einer Einöde der Gleichheit? Ohne Flirts, Schönheitswahlen, Striptease, Schwitzhändchen oder Flitterwochen wäre tödliche Langeweile mein ständiger Begleiter.
Um meinen Blutdruck nicht unnötig zu belasten, verbot ich meiner Fantasie weitere Beispiele aufzurufen.
Dass der Angriff auf mein männliches Ego nicht ohne Wirkung geblieben war, erlebte ich Tage später.
Ich träumte von einer Welt ohne Männer. Ich war das erste Knäblein, das die Maschine Natur aus Versehen wieder erschuf. Man bewunderte mich als eine Laune der Elektronen. Nie zuvor zu Lebzeiten war solch ein Aufhebens um mich gemacht worden. In vollen Zügen genoss ich die Freuden der Rarität unter dem Amazonenvolk. Man verwöhnte mich mit Köstlichkeiten, von denen ich nie gehört hatte. Man machte ein Theater, als ob wir Männer immer noch die Krone der Schöpfung wären.
Erst ein lauter Protestruf aus meinem Mund riss mich aus dem Traum. Man wollte mir einen verführerisch glänzenden Apfel servieren. Einen APFEL!!!!!
„Nicht mit mir, meine Damen. Das, was Eva bei Adam geschafft hat, zieht bei mir nicht“, schrie ich entsetzt.
Dass ich den Apfel dabei schwungvoll durch die Gegend schleuderte, hätte ich besser gelassen. Die im Traum ausgeführte Schleuderbewegung endete nämlich schmerzvoll am Bettpfosten.
Sofort war ich hellwach. Und happy, dass ich nur geträumt hatte.

Hubert
Unabhängig davon, ob ich einen Krimi, einen normalen Roman oder ein Tierbuch schreibe, achte ich darauf, dass der Humor nicht zu kurz kommt. Zudem kann ich als Kölner kein Blatt vor den Mund nehmen. Das Ergebnis ist ein locker, flockiger Schreibstil, der auch die Erotik nicht außen vor lässt.
Hubert

Letzte Artikel von Hubert (Posts)