Hubert

Über Hubert

Unabhängig davon, ob ich einen Krimi, einen normalen Roman oder ein Tierbuch schreibe, achte ich darauf, dass der Humor nicht zu kurz kommt. Zudem kann ich als Kölner kein Blatt vor den Mund nehmen. Das Ergebnis ist ein locker, flockiger Schreibstil, der auch die Erotik nicht außen vor lässt.

Nie ohne Uhr

Jeder, der die Geschichte meines Freundes kennt, versteht, dass ich lieber nackt als ohne Uhr ausgehen würde.
Willi war damals 30 Jahre alt. Hatte beste Aussichten, in seiner Speditionsfirma Karriere zu machen. Im nächsten Urlaub erfüllte er sich einen lang gehegten Wunsch. Er wollte Rom erkunden.
Im Zug hatte er ein Abteil erster Klasse für sich allein. Bis ein älterer Herr das Abteil betrat. Sich grußlos in die andere Ecke verkrümelte – und schwieg.
„Wie spät ist es, mein Herr?“ erkundigte sich Willi bei dem Fremden. Weiterlesen

Vorsicht, Kundschaft

Ich komme auf Empfehlung eines Freundes, der Ihre Bilder sehr bewundert“, erklärte der Besucher. Und ließ gleichzeitig seinen Blick über die Gemälde am Boden, an den Wänden und auf den Staffeleien des Ateliers schweifen.
„Ich weiß gar nicht“, fuhr er zögernd fort, „ob ein offenbar so überbeschäftigter Künstler wie Sie noch Zeit finden wird, meinen unwichtigen Auftrag auszuführen“.
„Es wird mir ein ganz besonderes Vergnügen sein, Ihnen helfen zu dürfen, mein Herr“, entgegnete der Maler und bot dem Fremden einen Platz in dem schäbigen Sessel an.
Er selbst blieb stehen. Da sich im ganzen Atelier keine zusätzliche Sitzgelegenheit mehr befand. Weiterlesen

Störenfried

Man sitzt irgendwo. Denkt an nichts Böses. Freut sich, dass man weder Karl noch Friedrich der Große ist, also noch lebt. Und mitten in diesem friedlichen Idyll setzt sich irgendwer neben einen. Dann legt dieser Irgendwer ungefragt los.
Philosophiert etwas Sinnloses oder Banales vor sich hin. Natürlich so laut, dass man jedes Wort verstehen muss. Nun zündet der unerwünschte Nachbar Stufe 2. Er zieht aus einer Tasche ein Buch ans Sonnenlicht. Ein erschreckend dickes Buch. Mit der rechten Hand schlägt er die erste Seite auf. Mit der linken schlägt er sich stolz auf die Brust. Des Schlagens nicht genug schlägt er im Ton eines Fremdenführers vor „Ich muss Ihnen einmal zeigen, woher ich komme“. Weiterlesen

Alterstest

Gelegentlich sollte man sich dazu durchringen, festzustellen, wie jung man geblieben und wie alt man geworden ist. Nicht laut Urkunden des zuständigen Standesamtes. Nein, die Messlatte sollte der jugendliche Sinn für Unsinn sein. Dabei bietet eine Messmethode, die auf meinem Mist gewachsen ist, zuverlässige Ergebnisse.
Ein Mensch ist bekanntlich so alt, wie es ihm Spaß macht, noch Spaß zu haben. Nur innerlich vergreiste Monsterwesen schreiten ernst und unbeirrt durch den Alltag. Und halten jeden harmlosen Spaß für einen Rückfall ins Infantile. Weiterlesen

Klare Worte

Ich stehe auf den Zehenspitzen vor dem Schreibtisch meines Chefs. Starre ihm provozierend in seine wässrigen Augen. Die er hinter einer unmodernen Brille versteckt hat.
„Versuchen Sie erst gar nicht Ihr Telefon zu erreichen“, schleudere ich ihm höhnisch ins Gesicht. „Es ist niemand mehr in der Firma. Wir sind alleine. Nur Sie und ich. Der Nachtportier ist unten im Heizkeller. Für das, was ich Ihnen zu sagen habe, brauche ich weder Zeugen noch eine Störung“.
Nach dieser Einleitung richte ich mich kerzengerade auf. Versuche, aus meinen mickrigen 165 Zentimetern rauszuholen, was rauszuholen ist. Weiterlesen

Der kleine, schwarze Hahn

Irgendwo in Friesland. Zwei Bauernhöfe. Getrennt durch einen Bach. Links des Baches betrieb Landwirt Piet eine Hühnerzucht. Rechts Fietje. Zwei Landwirte vom gleichen Schlag. Fleißig, grundehrlich, hier und da etwas mürrisch. Bis vor acht Monaten verlief die Hühnerzucht nahezu gleich. Ungezählte Küken liefen rechts und links des Baches umher. Immer in der Nähe von Mama Huhn.
Ja, und vor acht Monate begann, was Bauer Fietje langsam aber sicher in den Wahnsinn trieb. Nicht nur das. Ebenso schrumpften seine finanziellen Barmittel. Grund für sein Dilemma war ausbleibender Hühnernachwuchs. Verbunden damit, dass die Legeplätze für Eier unberührt blieben. Immer häufiger musste er umliegende Supermärkte und Tante Emma Läden enttäuschen. Weiterlesen

Stammtisch

Vier Männer in der Kneipe. Vier Männer, die Trübsal blasen. Ihr Lieblingsverein hat im Derby gegen den Ortsrivalen eine vernichtende Schlappe erlitten.
„Wie kann man nur 6:0 verlieren? Zwei von den Dingern gehen auf die Kappe des
Torwarts. Und ich sag euch, Freunde, der Torwart hat ein linkes Ding gedreht. Der hat sich mit Sicherheit bestechen lassen“, meldete sich der Erste zu Wort.
„Oder der Schiedsrichter hat sich die Taschen vollgemacht“, trug der Zweite seinen Senf dazu bei.
„Egal, ob Torwart oder Schiedsrichter. Tatsache bleibt, dass alle gespielt haben, als ob sie zum ersten Mal gegen einen Ball getreten hätten“, war der Dritte im Bund an der Reihe. Weiterlesen

Sport????

Es gibt Sportarten, die sind nicht nur langweilig für den Zuschauer. Sie verursachen Magenschmerzen. Verwirren aufgrund fehlender Regelkenntnis. Oder gehören einfach nicht in unseren Kulturkreis.
Nun hat ja jeder TV-Sportler auf der Couch oder im Sessel eine Wahl. Die da lautet: Entscheide ich mich für ein Fußballmatch mit Tempo und Action. Oder ziehe ich mir zum Beispiel Synchronschwimmen oder Sumoringen rein.
So weit, so gut. Doch wie dumm guckt man aus der Wäsche, wenn die Flimmerkiste nur Sportarten anbietet, die bestenfalls für Insider von Interesse sind?
Sorry, liebe Aktive, die Frage muss erlaubt, was soll zum Beispiel den Fernsehzuschauer an Dressurreiten fesseln?
Was an Golf? Was an Gehen? Was am Baseballspiel? Was an Sumoringen? Was an Sechstagerennen? Was an Schach? Weiterlesen

Adieu – ohne mich

Sachen gibt´s, die gibt´s nicht. Die darf man sich noch nicht einmal ausmalen. Selbst wenn sie in Albträumen erscheinen, sollte man schleunigst aufwachen. In diesem speziellen Fall, der mir vorschwebt, betreffen diese Aussagen allerdings das männliche Geschlecht. Ja, meine Herren, ausschließlich das männliche Geschlecht. Das heißt im Klartext, die von uns verehrten Damen sind fein raus.
Um meine Leidensgenossen nicht unnötig auf die Folter zu spannen, verkünde ich an dieser Stelle erst mal, was ein Artikel in einem Käseblättchen meinen ungläubigen Augen zugemutet hat. Weiterlesen

Meine alte Autojacke

Vielleicht ist es Einbildung, aber ohne meine alte Autojacke konnte ich nicht Auto fahren. Mein Auto und meine Autojacke, die gehörten zusammen. Und wenn ich hinter dem Lenkrad eine wirklich gute Leistung zeigen sollte, dann nur in meiner alten Autojacke.
Ich hatte nie ein Kleidungsstück, in dem ich mich so wohl fühlte wie in meiner alten, mausgrauen Autojacke aus grobem Tweed. Ich hatte Ellenbogenfreiheit darin. Ein paar Ölflecken und ein zerknitterter Rücken spielten keine Rolle. Die Jacke konnte es vertragen. Viele Jahre leistete sie ihrem Herrn treue Dienste. Jetzt ist sie weg!!!!!!! Weiterlesen

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