Das erste Mal

Gleichgültig um was es sich handelt, alles geschieht auf dem runden Erdball zum ersten Mal. Diese Aussage näher zu definieren erübrigt sich. Mag sein, dass ein spitzfindiger Mensch dies widerlegen kann.
Dennoch ist an einer bestimmten Tatsache nicht zu rütteln. Es handelt sich um das, was zwei Menschen tun, die sich lieben. Männlein wie Weiblein befinden sich irgendwann in der Situation, es zum ersten Mal zu tun. Dass dies nicht altersbedingt ist, versteht sich von selbst.
Um nun nicht die ganze Alterspalette bis hin zum rüstigen Rentner abzuhandeln,
widme ich mich dem Alter, in dem ich zum ersten Mal den Schritt in die Welt von Sex und Liebe wagte.
Sechzehn Jahre. Urlaub im Land der Tulpen und Meisjes. Auf der schönen Ferieninsel Texel. Nicht nur Sonnenschein und ein herrlicher Strand lockten mich seit drei Tagen ans Meer. Nein, auch eine süße, gleichaltrige Holländerin hatte einen gehörigen Anteil daran.
Sie war mir bereits am ersten Tag ins Auge gefallen. Bei ihrem Anblick stockte mein Atem. Mein Herz schlug wie wild. Zu jener Zeit sah ich in ihr das schönste Mädchen auf der weiten Welt.
Drei Tage wagten wir nicht mehr als scheue Blicke, begleitet von noch scheuerem Lächeln. Insgeheim beneidete ich die Leinwandhelden, die immer das Richtige zu sagen wussten, wenn eine schöne Frau ihren Weg kreuzte.
Aber ich war kein Leinwandheld. Ich war ein schüchterner Jüngling. Der es noch nie getan hatte. Der von Tuten und Blasen keine Ahnung hatte. Dem alles fremd war, was mit Liebe zu tun hatte.
Nur eins wusste ich. Der Mann muss den Anfang machen.
So zwang ich mich regelrecht, aus dem scheuen, ein offenes Lächeln auf mein Gesicht zu zaubern. Das erwidert wurde!!!!
Einmal den ersten, kleinen Schritt gewagt, wurde ich mutiger. So wurde aus dem Lächeln bald ein Gespräch.
Aber was war das für ein Gespräch!!! Stockend, schleppend, immer wieder auf der Suche nach neuen Worten. Noch ungeübt und unverdorben wühlte ich in Gedanken nach Komplimenten, die ich irgendwo gehört oder gelesen hatte.
Vergeblich. Alle galanten Redewendungen waren wie weggeblasen. Schon bereit, enttäuscht mit leeren Händen abzuziehen, erhielt ich Hilfe von femininer Seite.
Janni – wir hatten uns wenigstens namentlich geoutet – half mit irgendeinem belanglosen Thema, das Gespräch in Gang zu halten. Erst als das Eis gebrochen war, lief alles wie geschmiert.
Witze wurden ausgetauscht und lauthals belacht. Bei vereinzelten, unabsichtlichen Berührungen verspürte ich so etwas wie elektrische Schläge.
Nach etwa zwei, drei Stunden hatte ich mich unsterblich verliebt. Glaubte, in ihr die Frau fürs Leben gefunden zu haben. Zog sogar eine Heirat in Betracht.
Nur so zur Auffrischung: Ich zählte unverdorbene sechzehn Lenze!!!
Am Ende des Tages brachen wir gemeinsam auf. Nach einigen Schritten griff ich mit klopfendem Herz nach ihrer Hand.
Hätte jubilieren können, als sich ihre um meine Hand schloss.
Bald darauf regnete es in Strömen. Janni kramte aus den unergründlichen Tiefen ihrer Strandtasche eine Plane hervor. Unter der wir Schutz vor dem Regen suchten. Leider/Gott sei Dank erinnerte die Plane mehr an ein großes Taschentuch denn an einen Regenschutz für zwei Personen.
Um halbwegs trocken zu bleiben, bot sich nur die Lösung, eng umschlungen zu gehen. Dass ich dabei deutlich die Wärme ihres Körpers fühlte, rief meine Hormone auf den Plan, die sofort Sturm liefen.
Verständlich, dass der Gebieter der Hormone von dem verwegenen Gedanken übermannt wurde, das schönste Mädchen der Welt zu küssen.
Allein der Mut fehlte. Ich hatte schlicht Angst vor Zurückweisung oder einer Ohrfeige. Wobei ich Letztere für einen Kuss mit Freude in Kauf genommen hätte.
‚Noch zehn Schritte, dann versuche ich es‘,setzte ich mir ein Limit.
Zehn Schritte weiter. Jannis Lippen blieben jungfräulich unberührt.
‚Noch mal zehn Schritte, dann aber wirklich‘, spornte ich mich an.
Okay, aus zehn wurden fünfzehn Schritte. Todesmutig überwand ich meine Angst. Fasste mit zitternden Fingern ihr Kinn. Drehte ihren Kopf um 45 Grad in meine Richtung und … und küsste sie.
Mein Herz schlug wie verrückt. Meine Hose spannte sich schmerzhaft in der unteren Region.
Und Janni? Sie erwiderte den Kuss. Mein erster Kuss. Ein liebevoller Kuss. Voller
Reinheit.
Ich hätte vor Freude die ganze Welt umarmen können. Oder jedem, der auf zwei
Beinen herumlief, die frohe Botschaft mitgeteilt. Oder in einer Tageszeitschrift inseriert, dass ich ab sofort zum erlauchten Kreis der Küsser zählte.
Dem ersten Kuss folgten in schneller Folge weitere. Wir kamen einfach nicht mehr von unseren Lippen los.
„Ich liebe dich“, hauchte ich nach dem fünftausendsten Kuss. Diese berühmten drei Worte kamen aus tiefster Seele. Gaben meine ehrlichen Gefühle wider. Waren auf keinen Fall leeres Gewäsch.
„Ich liebe dich auch“, flüsterte meine Angebetete verschämt.
Ermutigt durch ihr Bekenntnis und unzähligen weiteren Küssen, wagte ich mehr. Vorsichtig wanderte meine Hand vom Hals über ihre Bluse zum Busen. Janni ließ wandern. Als ich die sanfte Rundung ihrer Brust ertastete, befürchtete ich, meine Hose würde gesprengt.
Kühn und verwegen wagte ich den nächsten Schritt. Mit zitternden Fingern versuchte ich, die Bluse aufzuknöpfen. Zwei Fehlversuche hielten mich nicht vom dritten Versuch ab. Endlich, diesmal gehorchten die Finger ihrem Besitzer. Die Bluse war auf!!
Zum ersten Mal in meinem Leben wurde mir nun die Gunst geschenkt, eine nackte Brust bewundern zu dürfen. Und zu liebkosen. Wenn schon, denn schon: natürlich ausgiebig und hingebungsvoll.
Wo eine Brust ist, ist die andere nicht weit. Zu allem bereit streifte ich die Bluse über Jannis Schultern. Entzückt stierte ich auf die Zwillinge. Nun brauchte auch die zweite Hand nicht mehr nutzlos an meiner Seite zu baumeln.
Entrückt von allem Weltlichen standen wir eine Zeit lang im strömenden Regen. Notdürftig geschützt von einer zu kleinen Plane. Es hätte junge Hunde regnen können, wir hätten es nicht wahrgenommen.
Allzu gerne wäre ich noch ein bis zehn Schritte weitergegangen. Hätte gehofft, dass auch Janni ihre Hände auf Wanderschaft schicken würde. Doch so weit trauten wir uns beide nicht. Noch nicht.
Die nächsten Tage vergingen viel zu schnell für uns. Küsschen, Liebesbeteuerungen und Umarmungen wechselten sich in loser Reihenfolge ab.
Fortwährende Liebkosungen verpufften nicht wirkungslos. Unsere Hormone drohten mit Klagen vor Gericht wegen unnötiger Quälerei. Versammelten sich sogar zu einem Protestmarsch.
Ohne Worte war uns bewusst, dass wir beide den letzten Schritt bis zum Glück
gehen würden – und auch wollten. Aber wann?????
Der Abend des fünften Tages wurde ein Abend, an den ich bis ins hohe Rentenalter gerne zurückdenken werde.
Wir trafen uns zu einer Strandwanderung im Dämmerlicht. Sowohl Janni als auch ich wussten, wozu wir uns wirklich getroffen hatten. Wenige Minuten nach der verabredeten Zeit erschien Janni. Unter ihrem Arm eine Decke.
„Wenn wir uns einmal hinsetzen wollen“, erklärte sie errötend das Mitbringsel.
„Du denkst wirklich an alles“, grinste ich unverschämt.
Hand in Hand ging es Richtung Strand. Wir redeten wenig. Blickten uns lediglich ab und zu verliebt und verschämt an. Weder sie noch ich hatten eine unverfängliche Floskel zur Hand, die den Anfang leicht machen würde.
„Das Leben kann so schön sein“, war zwar nicht das Gelbe vom Ei. Immerhin besser, als zu schweigen.
„Finde ich auch. Denkst du da an etwas Bestimmtes? Oder nur so allgemein?“ warf sie mir unbewusst ein Stichwort hin, das durchaus geeignet war, den Anfang einzu- läuten.
„Natürlich denke ich an etwas Bestimmtes. Ich gehe hier Hand in Hand mit einem wunderschönen Mädchen an einem leeren Strand. Nichts stört die herrliche Ruhe. Nur das Rauschen der Wellen begleitet uns. Das ist doch wirklich wunderbar“, schwärmte ich. Bewies damit Sinn für Romantik, die nicht wirklich vorhanden war.
„Und ich habe einen tollen Jungen an meiner Seite“, gab sie lachend zurück und drückte sich an mich.
Wie ferngesteuert schlugen wir den Weg zu den Dünen ein. Dort angekommen breitete Janni die Decke über den weißen Sand aus.
Nun, auf der Decke niedergelassen, herrschte wieder Schweigen. Peinlich langes Schweigen. Um nun nicht in den Annalen als der große Schweiger vermerkt zu werden, steuerte ich auf direktem Weg das Ziel an. Zugegeben nicht charmant. Aber in dieser Situation war alles besser, als zu schweigen.
„Hast du es schon einmal gemacht?“
„Nein. Du?“ erwiderte sie scheu. Zeigte aber gleichzeitig, dass ihr der Sinn des kleinen Wörtchens es nicht fremd war.
„Nein, ich auch nicht“, gestand ich meine nicht vorhandenen Liebeskünste. „Ich bin aber sehr glücklich, dass es beim ersten Mal mit so einem hübschen und sehr liebevollen Mädchen geschieht“.
„Beim ersten Mal soll es wehtun“, wisperte sie ängstlich. „Bitte sei sehr lieb und sehr vorsichtig“.
„Das werde ich. Ganz bestimmt. Ich werde meinem Liebling doch keine Schmerzen bereiten“, versprach ich großspurig etwas, von dem ich nicht wusste, ob ich dazu fähig war.
Unsicher, ob ich mein Versprechen wahrmachen konnte, wagte ich endlich den Anfang. Hastig entblätterte ich sie. Pulli, Hose und Slip flogen achtlos umher.
Nach Sekunden lag sie vor mir. Nackt, wie Gott diesen Engel schuf. Verführerisch nackt.
„Du bist unbeschreiblich schön“, flüsterte ich entrückt.
Zärtlich liebkoste ich das Wunderwerk. Eifrige Hände und Lippen ließen keine Stelle aus. Ihre Erregung wuchs mehr und mehr. Mit geschlossenen Augen atmete sie schwer.
Mühevoll gelang es mir, mich zurückzuhalten. Zu verlockend war das, was da
bereitwillig vor mir lag. Dennoch ließ ich mir Zeit. Wollte Janni genießen, solange es eben ging. Es war schließlich mein erstes Mal. Ein erstes Mal, das ausgekostet werden wollte.
„Komm zu mir. Ich will dich spüren“, bat Janni verschämt.
Als ich ihrer Bitte gerne entsprach, stöhnte sie auf. Ein wenig ängstlich, ein wenig
zitternd, vollzog ich den Start zum ersten Liebesakt in meinem Leben. Alles Gelesene, alles Gehörte war vergessen. Wie weggeblasen. Jetzt nur nichts falsch machen.
„Tut es weh, mein Liebling?“
„Ein wenig. Mach aber weiter“.
Wenige Zentimeter eingedrungen hielt ich inne. Anlass dazu gaben zwei Augen, die sich bemühten, keinen Schmerz zu zeigen.
„Sag mir, wann ich weitermachen soll“.
Obwohl meine Hormone zur Tat drängten, verweigerte ich den Gehorsam. Janni drückte leicht auf meine Pobacke. Ihr Signal für mich, fortzufahren.
„Wird es noch sehr weh tun?“
Ihre Frage war sicherlich nachvollziehbar. Dennoch war ich wohl der Ungeeignetste schlechthin, der eine fundierte Auskunft geben konnte. Wusste ich doch selbst nicht so recht, wo es langging. Aber gerade jetzt Unsicherheit zeigen, hätte bestimmt nicht zur Beruhigung beigetragen.
„Ich werde sehr vorsichtig sein“, war meine allgemein gehaltene Antwort. Die Janni so sicherlich nicht hören wollte.
Stopp. Hatte ich nicht irgendwo, irgendwann gelesen, was ein kluger Kopf für solch eine Situation geraten hatte. Richtig, das war´s. Die jungfräuliche Auserwählte solle durch einen beliebigen Schmerz an anderer Stelle abgelenkt werden. Vorzugsweise wurde ein leichter Biss ins Ohrläppchen angeboten. Kräftig genug, um den Schmerz in der unteren Region kurzfristig vergessen zu lassen.
Darauf bedacht, nicht ihr halbes Ohr abzueißen, fasste ich zärtlich ein Ohrläppchen zwischen meine Vorderzähne. Biss und gleichzeitiges, wohldosiertes Eindringen gut koordiniert, machten Janni zur Frau.
„Au, weshalb beißt du mich denn?“ fasste sie wehklagend an ihr Ohr.
„Weil du so nicht gemerkt hast, dass du gerade zur Frau geworden bist“, strahlte ich. Stolz auf meinen genialen Einfall.
„Wirklich? Habe ich es wirklich überstanden?“
„Du hast, meine Süße“.
„Du hast recht. Ich habe tatsächlich nichts gespürt. Du bist einfach super. Dabei hatte ich so eine Angst“, breitete sich Zufrieden heit über ihr Gesicht aus.
Immer noch in ihr, klopfte ich vorsichtig an, ob auch ich zum Abschluss meines ersten Liebeserlebnisses kommen durfte.
Erregt bis in den kleinen Zeh, bedurfte es eine, bei gutem Willen zwei Minuten, bis ich unter lautem Stöhnen den Höhepunkt erreichte.
Unsere Hände fest ineinander verschränkt, beteuerten wir unentwegt unsere Liebe.
Schworen, uns nie mehr zu trennen. Zehn Minuten später.
„Tut es beim zweiten Mal auch noch weh?“ fragte ein roter Mund, umrahmt von Lippen, die geküsst werden wollten.
Ohne ihre Frage zu beantworten, küsste ich sie innig. Mit dem Erfolg, dass wieder Leben in meinem besten Stück aufkeimte. Mit dem weiteren Erfolg, dass wir uns wieder vereinten. Diesmal, ohne störendes Hindernis, erreichten wir nach einem Ritt durch unbekannte Sphären gemeinsam den Höhepunkt.
„Es war wunderbar. Ein unbeschreibliches Gefühl. Vielen Dank, dass ich durch dich so etwas Herrliches erleben durfte“, rang Janni keuchend nach Luft.
Da auch mein Sauerstoffvorrat ergänzt werden musste, nickte ich nur bestätigend.
Nach einer gebührend langen Erholungspause war der Heimweg angesagt. Bevor wir uns erhoben, nahm sie mein bestes Stück in die Hand. Das verständlicherweise nach getaner Arbeit auf Minigröße geschrumpft war.
„Dass so ein kleiner Mann so viel Freude bereiten kann, ist schon erstaunlich“, verkündete sie schelmisch.
„Du hast ja wohl eben hautnah erlebt, dass der kleine Mann auch recht groß werden kann, du freches Luder“, nahm ich sie lachend in meine Arme. Auf dem Heimweg.
„Das war so gut, das wiederholen wir morgen“, verkündete mein süßes Meisje.
„Was meinst du mit das?“ versuchte ich, ihr das Wort Beischlaf oder Ähnliches zu entlocken.
Nicht bei Janni. Sie war so rein, so unverdorben, dass ihr selbst der schlichte Gebrauch dieser Bezeichnungen Probleme bereitete.
„Du weißt schon“, wehrte sie ab.
„Willst du damit sagen, dass wir uns lieben sollen. Körperlich lieben“, half ich nach.
„Ja, das meine ich, du Idiot“, bestätigte sie errötend.
„Nicht nur morgen, jeden Tag wiederholen wir das. Bis zum Ende des Urlaubs. So etwas Gutes muss einfach wiederholt werden“, legte ich resolut den Fahrplan für den restlichen Urlaub fest.
In der Tat. Täglich liebten wir uns. Hier und da mit Wiederholungen. Nachdem Janni entjungfert war, genoss sie ungehemmt und schmerzfrei die Freuden des Liebesspiels. Getrübt wurde unser Glück durch das, was sich langsam, aber unaufhaltsam näherte. Das Urlaubsende. Verbunden damit der Abschied.
Dann war er da. Der herz- und erbarmungslose Tag, der unser junges Glück zerstörte. Janni presste sich laut weinend in meine Arme. Indessen kämpfte ich tapfer gegen meine Tränen an.
‚Ein Junge weint nicht. Erst recht nicht in meinem Alter‘, war natürlich infantil. War aber so.
Nach einer gefühlten Ewigkeit verlor ich den Kampf gegen die Tränen. Ließ meinen Emotionen freien Lauf. Und schluchzte und weinte wie nie zuvor in meinem Leben.
„Vergiss nie, dass ich dich liebe“, krächzte ich würgend. Mit zentnerschwerem Kloß im Hals.
„Dich werde ich bestimmt nicht vergessen. Mein Herz wird immer bei dir sein“, schluchzte sie.
„Wir sehen uns wieder. Bestimmt. Bis es so weit ist, schreiben wir uns“, versuchte ich, ihr und mir Trost zu spenden.
„Wirst du mir wirklich schreiben, mein Liebster? Versprich es mir. Schwöre es bei
unserer Liebe“.
Zurück in der Heimat.
Der Briefverkehr Holland-Deutschland- Holland wurde von zwei einsamen Herzen
mit Arbeit überhäuft. Zwei Monate lang wartete ich dienstags und freitags ungeduldig auf den Postboten. Gierig verschlang ich jedes Wort, jede Silbe, jede Zeile. Drückte den Brief an meine Brust. Und sehnte mich nach dem süßen Meisje mit dem Namen Janni.
Zwei Monate lang schickte ich zweimal in der Woche einen Brief via Holland. Der
Inhalt glich dem ihrer Schreiben. Sehnsucht, Liebe, nie vergessen.
Aus heutiger Sicht – nüchtern betrachtet – schrieb und las ich Woche für Woche das Gleiche.
Nach drei Monaten flatterte ein Brief ins Haus, in dem sie bat, den Schriftverkehr einzustellen. Ein Nachfolger hatte ihr Herz erobert!! Der letzte Abschnitt in ihrem Brief lautete wie folgt.
„Sei nicht böse mein Schatz. Die Zeit mit dir wird immer einen Platz in meinem
Herzen haben. Dich kann und will ich nie vergessen. Dir habe ich das Kostbarste geschenkt, was eine Frau verschenken kann. Ich habe es dir gerne geschenkt“.
Einige Passagen des Abschiedsbriefes stimmten mit meinen Gefühlen überein.
Da ich mich inzwischen auch neu orientiert hatte, kam ihre Bitte nicht ungelegen. Trotzdem. Nie werde ich die Zeit mit Janni vergessen. Ich war – und bin – glücklich, so etwas Schönes erleben zu dürfen.
Jahre später. Längst kein Unschuldslamm mehr. Eher schon das Gegenteil. Trotz zahlloser Sexabenteuer, trotz an Jahren und Erfahrung gereift, nie gelang es mir, Janni aus meinem Gedächtnis zu streichen. Und – ich gestehe – ich wollte es auch nicht.
Mit dem süßen Meisje vor Augen, ließ ich die Erinnerung aufleben. Fragte mich,
warum ich nach so langer Zeit das Gefühl hatte, Janni immer noch nahe zu sein.
Nach der Antwort brauchte ich nicht lange zu suchen. Zu schön, zu rein war die Zeit gewesen, als ich mit zitternden Fingern ihre Bluse öffnete. Oder Glücksgefühle verspürte, als sich ihre Hand um meine schloss. Oder Angst vor Zurückweisung hatte. Oder dass ihr nackter Busen für mich eine Offenbarung war.
Oder dass ich lange zögerte, um ein Gespräch zu beginnen. Oder dass ich nach Komplimenten suchte. Oder aus ehrlichem Herzen meine Liebe gestand.
Ein neutraler Beobachter mag über all dies verächtlich lächeln. Vielleicht auch von Kinderkram reden. Vielleicht war es sogar Kinderkram gewesen.
Für mich wird es auf jeden Fall auf ewig ein Erlebnis bleiben, an das ich mich gerne erinnere. Der Wunsch, der ganz tief in mir schlummert, die Zeit zurückzudrehen, wird leider immer nur ein Wunsch bleiben.

Hubert
Unabhängig davon, ob ich einen Krimi, einen normalen Roman oder ein Tierbuch schreibe, achte ich darauf, dass der Humor nicht zu kurz kommt. Zudem kann ich als Kölner kein Blatt vor den Mund nehmen. Das Ergebnis ist ein locker, flockiger Schreibstil, der auch die Erotik nicht außen vor lässt.
Hubert

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