Kündigung bei der Bank

Der Mammon lockte. Nach Ende meinerLehrzeit bei der Bank wechselte ich zu
Ford. Dort wurden meine Dienste um ein Mehrfaches honoriert. Selbstverständlich verlor ich damit den ehrenvollen Status, für eine Bank arbeiten zu dürfen!!
Wer glaubt eigentlich so einen Mist??
Neun Uhr morgens – Vorstellungstermin beim neuen Arbeitgeber.
Natürlich konnte ich auf der Bank nicht verkünden, dass sich mein Erscheinen am
nächsten Tag um unbestimmte Zeit verzögern würde. Die Bewerbung bei einem anderen Unternehmen war in den Augen der Bankbosse schlimmer als Vaterlandsverrat. So musste der oft zitierte Arztbesuch herhalten.
„Ich komme morgen Vormittag später zur Arbeit. Ich habe einen Arzttermin“, kündigte ich tags zuvor an.
Zu jener Zeit waren mir die Gepflogenheiten bei Ford noch nicht geläufig. Der Chef, bei dem ich zum Interview antreten sollte, wurde kurzfristig zu einem Meeting abberufen. Da konnte und musste ich natürlich warten. Drei Stunden harrte ich ungeduldig aus. Konnte ich so lange beim Arzt gewesen sein? Egal, die
Bank war im Moment unwichtig. Endlich war es so weit.
Zwölf Uhr dreißig hatte man Zeit für mich. Das Vorstellungsgespräch lief gut. Dauerte nur 15 Minuten. Ab dem 1. Juli dufte ich dazu beitragen, den Automobilumsatz zu steigern. Klar, mit der Zusage in der Tasche war mir die Bank schnuppe. Dreizehn Uhr dreißig trudelte ich dort ein, wo mich ab sofort jeder kreuzweise irgendwo lecken konnte.
„Tut mir leid, dass es so spät geworden ist. Der Arzt musste zwischendurch zu einem Notfall außerhalb der Praxis“, tischte ich eine logische Erklärung für die Verspätung auf.
Dann die Frage, mit der ich nie gerechnet hatte. Und auch nicht rechnen konnte.
„Bei welchem Arzt waren Sie denn???“
Oh Gott, was sollte ich sagen? Ich hatte meine Lüge bezüglich des Arztbesuches nicht so weit durchdacht, dass ich jetzt einen Namen auf Lager hatte.
„Äh, ich komme im Moment nicht auf den Namen. Aber seine Praxis ist in der Liebig straße“, brachte ich stotternd heraus.
Diese Straße gab es zum Glück. Eine Arzt praxis war ebenfalls dort. Aufatmen. Gerettet.
Dachte ich.
Mit einem knappen „in Ordnung“ steuerte der Chef sein Büro an. Wenn ich jedoch gedacht hatte, die Sache wäre erledigt gewesen, irrte ich gewaltig. Das dicke Ende kam nach Feier abend. Ein sehr dickes Ende.
Im Begriff die Bank zu verlassen, öffnete sich die Tür des Chefbüros.
„Kommen Sie bitte in mein Büro. Ich habe mit Ihnen zu reden“, forderte eine eisige Stimme. Was war jetzt los? Unsicher betrat ich den erlauchten Boden des Büros.
„Es ist besser, Sie setzen sich“, beförderte mich auf einen harten Stuhl. „Wo waren Sie heute wirklich? Ich habe die Telefonnummer der Arztpraxis rausgesucht und dort angerufen. Leider konnte ich mit dem Arzt nicht sprechen. Lediglich der Anrufbeantworter war zu erreichen. Der sagte mir allerdings, dass die Praxis wegen Urlaubs drei Wochen geschlossen ist! Wo waren Sie also?“
Seine Stimme hatte sich zum Schluss merklich gehoben. Begleitet von einer abweisenden Miene. Lügen hatten offensichtlich keinen Sinn mehr. Also raus mit der Wahrheit.
„Ich habe mich woanders beworben und war heute zur Vorstellung. Ich konnte leider nicht ahnen, dass es so lange dauern würde“.
„Sie haben also gelogen! Ich habe Ihren Fall bereits der Personalabteilung vorgetragen. Man sagte mir, dass ich Sie sofort rauswerfen soll. Mitarbeiter, die lügen, würden auch stehlen“. Eine bedeutungsvolle Pause. „Wir wollen Ihnen aber Ihren weiteren Lebensweg nicht verbauen. Kündigen Sie selbst zum Ende des Monats. Ihre Karriere bei der Bank ist vorüber“.
Welch eine Gnade!!
Na toll. Erst war ich ruck zuck im Supermarkt rausgeflogen. Jetzt konnte die Bank auf meine Dienste verzichten.
Dann wurde mir jedoch die günstige Terminkonstellation bewusst. Zum 30. Juni sollte ich kündigen. Zum 1. Juli sollte ich beim neuen Arbeitgeber antreten. Passte doch!

Hubert
Unabhängig davon, ob ich einen Krimi, einen normalen Roman oder ein Tierbuch schreibe, achte ich darauf, dass der Humor nicht zu kurz kommt. Zudem kann ich als Kölner kein Blatt vor den Mund nehmen. Das Ergebnis ist ein locker, flockiger Schreibstil, der auch die Erotik nicht außen vor lässt.
Hubert

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