Kurz aber selten

Eine Episode – kurz, aber selten – von vielleicht fünfzehn Minuten verdient es an und für sich nicht, festgehalten zu werden. Die Umstände und der Ablauf sind es aber durchaus wert. Zu einmalig war der Verlauf. Nie zuvor, nie danach habe ich Ähnliches erlebt. Und, bei aller Bescheidenheit, ich habe einiges erlebt.
Wie auch immer. Karneval in der lachenden Sporthalle. Auftritt der Höhner. Die über die Grenzen Kölns bekannte Band elektrisierte und mobilisierte ihre Fans. Zu denen auch ich zählte.
Wie von der Tarantel gestochen sprang ich hoch. Verließ die Zuschauerränge und sprintete zur Bühne. Begierig meine Idole aus der Nähe zu bewundern, zwängte ich mich in den Pulk Menschen. Jeder so verrückt und vom Karnevalsvirus verseucht wie ich.
Wartete mit Alkohol verklärtem Blick auf den Auftritt der Höhner. Vor mir eine junge Frau. Etwa dreißig Jahre alt. Fünf Jahre jünger als ich. Warum auch immer, sie drehte sich um. Gab mir Gelegenheit, in ein hübsches Gesicht zu sehen.
„Aber hallo, hier steht ja ein wunderschöner Engel vor mir“, lächelte ich verklärt – und leicht schwankend.
„Und hinter mir steht ein charmanter Mann, der auch nicht übel zu sein scheint“.
Mit diesen Worten drehte sie sich um und schaute wieder zur Bühne.
Was war das? Eine Hand kroch nach hinten. Fasste zwischen meine Beine. Im ersten Augenblick war ich erschrocken. Dann erstaunt. Dann verblüfft. Dann erfreut. Genau in dieser Reihenfolge.
„Gut so?“ drehte der Engel vor mir sich fragend um.
„Und ob“.
Trotz Alkohol vernebeltem Denkvermögen wurde mir das Absurde dieser Situation
bewusst. Umringt von vielen Menschen, fasste eine völlig unbekannte Frau zwischen meine Beine. Und fragte auch noch, ob es gut sei.
Sicherlich reizte diese ungewöhnliche Situation sie ebenso wie mich. Als schwache Entschuldigung kann vielleicht der Alkohol oder die Karnevalsstimmung herhalten.
Die Hand der Schönen trat in Aktion. In Form einer Massage. Die ihre Wirkung nicht verfehlte.
„Weiter machen?“ fragten zwei rote Lippen.
„Unbedingt“.
Bald darauf war es soweit. Heftige, beschleunigte Atemgeräusche meinerseits zeigten ihr, dass ihre Hand vollbracht hatte, was die Unbekannte wohl beabsichtigte.

Hubert
Unabhängig davon, ob ich einen Krimi, einen normalen Roman oder ein Tierbuch schreibe, achte ich darauf, dass der Humor nicht zu kurz kommt. Zudem kann ich als Kölner kein Blatt vor den Mund nehmen. Das Ergebnis ist ein locker, flockiger Schreibstil, der auch die Erotik nicht außen vor lässt.
Hubert

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