Scheiß-FC

Ein ähnliches Kaliber wie Herr Scheidt war Herr Müller. Zuständig für das Fach
Wirtschaftsgeografie. Dieser reizende Mensch unterrichtete immer montags. Das weiß ich so genau, weil der Montag eine tragende Rolle in der Geschichte spielte, die nun folgt.
Zu jener Zeit war ich großer Fan des 1.FC Köln. Vielleicht, weil ich selbst einige Jahre in diesem Verein in der Jugend kickte.
Wie auch immer der Lehrer von meiner Liebe zum 1.FC Köln erfahren hatte, blieb sein Geheimnis. Jedenfalls teilte er meine Gefühle
für den 1. FC Köln nicht. Verlor mein Klub am Wochenende, betrat er montags die Klasse mit den Worten,
„Na, Plug, wie hat denn Ihr
Scheiß-FC gespielt?“
Diese Frage musste ich Montag für Montag nach einer Niederlage wegstecken. War für einen Fan so etwas, wie Salz in eine offene Wunde gestreut zu bekommen.
Ich bin nun nie der Typ gewesen, etwas lächelnd oder wortlos hinzunehmen. Gelegenheit zum Konter erhielt ich nach einem Sieg meines Vereins.
Nach einigen Unterrichtsminuten meldete ich mich. Er glaubte natürlich an eine Frage zum Thema.
„Ja, Sie haben eine Frage?“
„Nicht zum Thema. Aber Sie haben mich heute noch gar nicht gefragt, wie der Scheiß-FC gespielt hat. Ich kann es Ihnen aber gerne sagen. Er hat gewonnen!“
Sein Gesicht verfärbte sich. Von rot bis blass. Mordgedanken nahmen Besitz von ihm. Hätten Blicke töten können, mein Ende wäre perfekt gewesen.
Verschlimmert wurde das Ganze durch einzelne Lacher der Klassenkameraden. Bevor ich Zeit hatte, die dreiste Frage zu bedauern, ging es von pädagogischer Seite bereits los. Eine Schimpftirade vom Feinsten.
„Was fällt Ihnen ein, Sie unverschämter Kerl? Wen glauben Sie, vor sich zu haben? Stört dieser Kerl den Unterricht mit einer solchen Frage. Mir fehlen die Worte. Das wird noch Folgen für Sie haben“.
Dies und mehr wurde so lange über mein weises Haupt ausgeschüttet, bis seine Stimme den Dienst verweigerte.
Die angedrohten Folgen sahen so aus, dass ich fortan zum Lieblingsschüler aufgestiegen war. Damit konnte ich leben. Meine Leistungen in seinem Fach waren gut. Viel konnte er mir nicht anhaben.
Jedenfalls brauchte ich mir nach einer Kölner Niederlage nie mehr die provozierende Frage nach dem Scheiß-FC anzuhören.
Auch ein Erfolg!!!

Hubert
Unabhängig davon, ob ich einen Krimi, einen normalen Roman oder ein Tierbuch schreibe, achte ich darauf, dass der Humor nicht zu kurz kommt. Zudem kann ich als Kölner kein Blatt vor den Mund nehmen. Das Ergebnis ist ein locker, flockiger Schreibstil, der auch die Erotik nicht außen vor lässt.
Hubert

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