Sport????

Es gibt Sportarten, die sind nicht nur langweilig für den Zuschauer. Sie verursachen Magenschmerzen. Verwirren aufgrund fehlender Regelkenntnis. Oder gehören einfach nicht in unseren Kulturkreis.
Nun hat ja jeder TV-Sportler auf der Couch oder im Sessel eine Wahl. Die da lautet: Entscheide ich mich für ein Fußballmatch mit Tempo und Action. Oder ziehe ich mir zum Beispiel Synchronschwimmen oder Sumoringen rein.
So weit, so gut. Doch wie dumm guckt man aus der Wäsche, wenn die Flimmerkiste nur Sportarten anbietet, die bestenfalls für Insider von Interesse sind?
Sorry, liebe Aktive, die Frage muss erlaubt, was soll zum Beispiel den Fernsehzuschauer an Dressurreiten fesseln?
Was an Golf? Was an Gehen? Was am Baseballspiel? Was an Sumoringen? Was an Sechstagerennen? Was an Schach?
Okay, bei der einen oder anderen Sportart mag ein neutraler Beobachter Protest einlegen. Aus diesem Grund lohnt sich ein kritisches, wenn auch nur kurzes Durchleuchten.
Das Hauptproblem dürften wohl Fachbegriffe sein, die der Fernsehreporter mit der größten Selbstverständlichkeit dem Zuschauer um die Ohren schlägt.
Dressurreiten.
Was kann der Couchsportler schon mit Piaffen, Passagen, Versammeln, Travers oder Renvers anfangen? Nichts!!
Selbst die Hauptdarsteller, die Pferde, wissen wahrscheinlich nicht, warum sie Schrittkombinationen ausführen müssen, die gegen ihre Natur sind. Sicherlich würden sie viel lieber der Gangart ihrer Geschlechtsgenossen, die auf grünen Wiesen umhergaloppieren, den Vorzug geben. Die Frage, warum und weshalb sie es nicht tun, wird an dieser Stelle nicht näher untersucht. Sollte aber veranlassen, einmal in aller Ruhe darüber nachzudenken!!!
Bei Berichterstattungen über Dressurreiten kann auch nicht die auf Spannung getrimmte Stimme des Reporters verhindern, dass man auf der Couch vor sich hindöst. Und sanft entschlummert.
Golf.
Wie soll vor der Flimmerkiste die Flugbahn eines Golfballes bewundert werden, wenn die Kamera den Ball nicht einfangen kann?
Gehen.
Mit Gewissheit eine anstrengende Angelegenheit, wenn der Sportler darauf achten muss, dass sich zu keinem Zeitpunkt beide Füße in der Luft befinden. Aber soll nicht eine Sportart dazu animieren, den gleichen Sport zu betreiben?
Hand aufs Herz. Gibt es eine unsinnigere und zickigere Fortbewegungsart als das sportliche Gehen? Wohlgemerkt – nichts gegen das gepflegte Flanieren entspannter Müßiggänger. Volles Verständnis für eilig trippelnde Hausfrauen, die noch mal schnell „nach Aldi müssen“. Das ist gottgewolltes Gehen.
Die leichtathletische Disziplin gleichen Namens ist etwas völlig anderes. Ist eine unsinnige Zwitterbewegung. An und für sich ein Ding der Unmöglichkeit. Schließlich mündet schnellstmögliches Gehen unweigerlich im sogenannten Laufen. Das leichtathletische Gehen ist wie Radrennfahren mit angezogener Handbremse. Wie Stabhochsprung mit einem fünfzig Zentimeter langen Stab.
Baseball.
Das in den USA über die Maßen geliebte Spiel ist sicherlich hochinteressant. Doch wie sieht es auf dem europäischen Kontinent damit aus? Hier, wo die Regeln des Spiels ein Buch mit sieben Siegeln ist. Gähn, gähn. Einschlafen.
Sumoringen.
Frage: Was ist fetter als ein Schwein und trägt eine Riesenwindel? Antwort: der Sumoringer. Bevor sich die Kolosse an die Windeln gehen, wird ein gähnend langweiliges Getue vollzogen.
Die Fleischberge stampfen angeberisch in den Ring. Mustern verächtlich den Kontrahenten. Werfen eine Handvoll Salz in den Ring. Heben abwechselnd die säulenartigen Beine wie ein inkontinenter Bernhardiner.
Kaum sacken die Dickmänner in Kampfstellung taucht ein altjapanischer Spielverderber mit Glitzerkutte auf. Der Ringrichter, strenger Hüter von Traditionen.
Er sagt den dicken Buben, wo es langgeht. Die sich nun ein ums andere Mal hinkauern und wieder aufstehen müssen. Wieder Salz werfen. Wieder imponierend schauen. Wer jetzt noch nicht eingeschlafen ist, darf sich an einem Dreißig-Sekunden-Kampf erfreuen. Maximal. Drei Zentner in Windeln prallen auf drei Zentner Fett in Windeln. Sobald Windel oder Fett den Boden berührt, wird der Sieger gekürt. Unter tosendem Beifall japanischer Zuschauer!!!!
Sechstagerennen.
Kann man sich etwas Dumpferes vorstellen, als immerzu im Kreis zu fahren? Stunde für Stunde. Tag für Tag. Fast eine Woche lang. Welcher Zuschauer hat schon Lust und Zeit, etwas zu verfolgen, bei dem man im Nu den Überblick verliert?
Eine Antwort erübrigt sich wohl.
Schach.
Das königliche Spiel auf hohem Niveau ausgeführt ist kein einfacher Zeitvertreib. 64 Felder und 32 Figuren wollen beherrscht sein. Da muss kalkuliert und vorausgedacht werden. Und das fast Tag und Nacht. Kein Wunder also, dass viele große Koryphäen ein Rad abhaben. Man hat sogar schon von Schachgenies gehört, die sich ihr Zimmer kariert tapezieren lassen. Und als Pferd oder Turm verkleidet umher wandelt.
Eigentlich passt der Sport in unsere heutige Zeit. Intrigen, Hinterlist, Fallen stellen, Irrsinn und Genie. Leider ist von all den schönen Gemeinheiten auf dem Bildschirm nichts zu sehen. Der TV-Konsument wird mit langweiligen Totalen, matte Schemata und unverständlichen Grafiken konfrontiert.
Sport ist laut Lexikon körperliche Aktivität. Körperlich!!!! Die einzige sportliche Aktivität, die ein Schachspieler beherrschen muss, ist der gepflegte Griff zu seinen Figuren.
Bestenfalls – zur Verwirrung des Gegners – ein unauffälliger, aber gezielter Tritt unter dem Tisch. Ans Schienbein des Gegenübers.
Damit soll es genug sein. Obwohl sich noch genügend andere Sportarten anbieten. Die für den großen Teil der TV-Zuschauer Ersatz für Schlaftabletten sind.
Oder glauben die Sendeanstalten allen Ernstes, dass jede Sportart, bei der man nur Ausschnitte verfolgen kann, fesselnd ist? Stellvertretend für Hammer-, Diskus- und Speerwerfen soll an dieser Stelle eine Frage erlaubt sein. Die das Hammerwerfen betrifft.
Wie soll man vor der Flimmerkiste feststellen, ob der Wurf gelungen war oder nicht? Alles, was der Bildschirm anbietet, ist ein Hammer, der sich in der Luft befindet. Okay, die Landung wird auch angeboten. Aber wo bleibt die Spannung, den Wurf von Ende bis Anfang verfolgen zu können?
Ähnlich sieht es bei Skispringen aus. Haltungsnoten der Springer sind bestenfalls etwas für erbarmungslose Notenverteiler. Und ob ein Springer zehn Zentimeter weiter als seine Konkurrenten landet, vermittelt nicht die Art von Spannung, die wach hält.

Hubert
Unabhängig davon, ob ich einen Krimi, einen normalen Roman oder ein Tierbuch schreibe, achte ich darauf, dass der Humor nicht zu kurz kommt. Zudem kann ich als Kölner kein Blatt vor den Mund nehmen. Das Ergebnis ist ein locker, flockiger Schreibstil, der auch die Erotik nicht außen vor lässt.
Hubert

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