Stammtisch

Vier Männer in der Kneipe. Vier Männer, die Trübsal blasen. Ihr Lieblingsverein hat im Derby gegen den Ortsrivalen eine vernichtende Schlappe erlitten.
„Wie kann man nur 6:0 verlieren? Zwei von den Dingern gehen auf die Kappe des
Torwarts. Und ich sag euch, Freunde, der Torwart hat ein linkes Ding gedreht. Der hat sich mit Sicherheit bestechen lassen“, meldete sich der Erste zu Wort.
„Oder der Schiedsrichter hat sich die Taschen vollgemacht“, trug der Zweite seinen Senf dazu bei.
„Egal, ob Torwart oder Schiedsrichter. Tatsache bleibt, dass alle gespielt haben, als ob sie zum ersten Mal gegen einen Ball getreten hätten“, war der Dritte im Bund an der Reihe.
Nur der letzte Mann in der Runde schwieg. Zu einem Kommentar zum Spiel aufgefordert, winkte er nur ab.
„Das Spiel ist gelaufen. Was hilft da jetzt noch alles rätseln? Ich schlage vor, wir lassen uns die Stimmung nicht versauen. Anstatt über das Spiel zu quatschen, schlage ich vor, dass jeder den einen oder anderen Witz zum Besten gibt“, blickte er aufmunternd in die Gesichter der niedergeschlagenen Freunde.
Schweigen rundum veranlasste ihn, fortzufahren.
„Okay, kennt ihr den?
Ein Anwalt, der seinen Mandanten in einer Unfallsache vertritt, sagt Folgendes zu dem Angeklagten. „Es wird schwierig, einen Freispruch zu erzielen. Wir müssen den Richter davon überzeugen, dass der Radfahrer mit 120 km/h auf die Kreuzung zufuhr. Besonders schwierig dürfte allerdings werden, dass der Zwergdackel Ihnen die Sicht versperrt hat“.
Erste, verhaltene Lacher waren genug, um das Eis zu brechen.
„Ich hab auch einen. Ruft ein Mann beim Tierarzt an. Und fragt: Wenn ich meine Schwiegermutter mit der Katze zu Ihnen schicke, können Sie die dann einschläfern? Klar, antwortet der Tierarzt. Allerdings kann ich nicht dafür garantieren, dass die Katze allein den Weg nach Hause findet“.
„Jetzt bin ich dran“, meldete sich der nächste aus der Runde. „Eine Frau liegt mit ihrer Freundin im Fenster. Da entdeckt sie ihren Mann mit einem Rosenstrauß in der Hand. So ein Mist, sagt sie zu ihrer Freundin, mein Mann kommt mit Rosen. Da muss ich heute Abend wieder die Beine breitmachen. Wieso, antwortet die Freundin, hast du denn keine Blumenvase?
„Ich kenn auch einen Witz. Hoffentlich krieg ich ihn noch zusammen“, trägt der letzte in der Runde sein Scherflein dazu bei, die allgemeine Laune in den positiven Bereich zu befördern. Frühmorgens. Eine Frau, die noch im Bett liegt, wird vom Lärm der Müllabfuhr wach. Verdammt, ich habe vergessen die Mülltonne rauszustellen, denkt sie. Am Vorabend war sie zu faul gewesen, sich abzuschminken. So, wie sie jetzt aussieht, mit verwischtem Lippenstift, verlaufener Augentusche und Make-up stürmt sie raus. Komm ich zu spät, haut sie den erstbesten Müllmann an, der ihr über den Weg läuft. Der gute Mann mustert, was da vor ihm steht. Und erteilt mit ernster Stimme und Miene die Auskunft: Nein, springen sie rein in den Müll.
„Den Witz, den ich jetzt bringe, muss man einfach gehört haben. Der ist nicht nur gut, der ist supergut“.
Am ersten Schultag in einer amerikanischen Highschool. Die Klassenlehrerin stellt der Klasse einen neuen Mitschüler vor. Sakiro Suzuki aus Japan. Die Stunde beginnt. Die Klassenlehrerin wendet sich fragend an ihre Schäfchen.
„Mal sehen, wer die amerikanische Kulturgeschichte beherrscht. Wer hat gesagt: Gebt mir die Freiheit oder den Tod?“
Mäuschenstill in der Klasse. Nur Suzuki hebt die Hand.
„Patrick Henry, 1775 in Philadelphia“.
„Sehr gut, Suzuki“, lobt die Lehrerin den Neuling.
„Und wer hat gesagt: Der Staat ist das Volk, das Volk darf nicht untergehen?“
Rundum peinliches Schweigen. Wer steht auf? Klar, Suzuki.
„Abraham Lincoln 1863 in Washington“.
Die Klassenlehrerin schaut auf ihre Schüler und sagt: „Schämt euch, Suzuki ist Japaner und kennt die amerikanische Geschichte besser als ihr“.
Eine leise Stimme aus dem Hintergrund zitiert Götz von Berlichingen.
„Leckt mich am Arsch, ihr Scheißjapaner!“
„Wer hat das gesagt?“ ruft die Lehrerin erbost.
Suzuki hebt die Hand. Ohne zu warten, erteilt er die Auskunft.
„General McArthur, 1942 in Guadalcanal. Und Lee Iacocca, 1982 bei der Hauptversammlung der Chryslerwerke“.
Totenstille in der Klasse. Nur von hinten hört tönt „Ich muss gleich kotzen“.
„Wer war das?“ schreit die Lehrerin.
„George Bush senior zum japanischen Premierminister Tanaka. 1991 während des Mittagessens in Tokio“, antwortet Suzuki.
„Blas mir einen“, steht ein Schüler auf, der seine Gefühle nicht mehr unter Kontrolle hat.
„Jetzt ist Schluss! Das geht zu weit. Wer war das, der so eine Schweinerei verkündet?“ ist die Lehrerin verzweifelt.
„Bill Clinton zu Monica Lewinsky. 1997 in Washington, Oval Office des Weißen Hauses“, antwortet Suzuki, ohne mit der Wimper zu zucken.
„Suzuki ist ein Stück Scheiße“, beleidigt ein anderer Schüler den Allwissenden lauthals.
„Valentino Rossi in Rio beim Grand-Prix-Motorradrennen in Brasilien 2002“, lässt sich Suzuki nicht von seinem eingeschlagenen Weg abbringen.
Die Klasse verfällt in Hysterie. Die Lehrerin in Ohnmacht. Da öffnet sich die Tür. Der Direktor tritt ein. Betrachtet das Chaos.
„Scheiße, so ein Durcheinander habe ich noch nie gesehen“.
Suzuki erhebt sich.
„Angela Merkel zu Finanzminister Schäuble bei der Vorlage des Haushaltsplans, Berlin 2010“.
„Aufgepasst Männer, der nächste Witz ist im Anmarsch“.
Eine Mutter erklärt ihrem Töchterchen KleinLisa die nahende Geburt des Brüderchens.
„Erst kommt der Kopf, dann die Schultern, dann der Körper, dann die Beine“.
„Und wer baut ihn dann zusammen? Papa?“
„Ich hab auch noch einen, Männer“.
Eine Frau sorgt sich um ihre Katze Muschi, die seit Tagen viele Haare verliert. Aufgeregt ruft sie den Tierarzt an.
„Was kann ich bloß machen, Herr Doktor? Meine süße Muschi verliert jeden Tag aufs Neue Haare“.
Nach einer kurzen Pause erteilt der Arzt einen ‚fundierten‘ Rat.
„Auf keinen Fall mehr Fahrrad fahren“.
„Mir ist auch noch Witz eingefallen“.
Zwei alte Damen besuchen zum ersten Mal einen Boxkampf. Nach einem Schwinger fällt einer der Boxer auf die Bretter. Der Schiedsrichter beginnt, zu zählen. Eins, zwei, drei, vier.
„Der kann mit zählen ruhig aufhören. Der Kerl steht sowieso nicht auf. Den kenn ich aus der Straßenbahn“.
„Kennt ihr den schon?“ war Nummer eins wieder an der Reihe.
Ein Mann ist mit seiner Geliebten im Bett. Bevor es zur Sache gehen kann, hört sie, wie ihr Ehemann seinen Wagen in die Garage fährt. „Mein Mann. Schnell. Du musst raus hier. Er dreht durch, wenn er dich hier findet“. Mit diesen Worten schiebt sie den nackten Liebhaber durch die Terrassentür ins Freie. Wo es in Strömen regnet. Um nun kein Aufsehen zu erregen, schließt er sich einer Gruppe Jogger an.
„Joggst du immer nackt und mit Kondom?“ erschallt eine berechtigte Frage.
„Nicht immer. Nur wenn es regnet“.
„Kennt ihr den?“
Eine 45-jährige Frau träumt, dass ihr Schutzengel ihr ein langes Leben verspricht. 42 Jahre, 8 Monate, 3 Wochen und 2 Tage würden es noch werden.
„Na, dann lohnt es sich ja, mich noch einmal richtig aufpäppeln zu lassen“, liegt sie bald darauf unter dem chirurgischen Messer.
Die kundigen Hände des Schönheitschirurgen entfernen all das, was ihr wahres Alter verrät. Nachdem die Narben verheilt oder getarnt sind, verlässt sie die Klinik. Beim Überqueren der Fahrbahn wird sie von einem LKW erfasst –und stirbt.
Im Himmelreich angekommen verlangt sie von Petrus, den für sie zuständigen Schutzengel zu sprechen.
„Was ist denn aus den 42 Jahren und dem Rest geworden?“ verlangt sie Rechenschaft.
„Ich wollte ja mein Versprechen einhalten“, wehrt sich der Schutzengel. „Ich habe dich leider nicht mehr erkannt“.
„Zum Abschluss muss ich euch unbedingt etwas vorlesen, Männer“, greift einer aus der Runde in die Jackentasche. „Es handelt sich um den Unfallbericht eines Dachdeckers für die Züricher Versicherung. Also aufgepasst. Es geht los“.
In Beantwortung Ihrer Bitte um zusätzliche Informationen möchte ich Ihnen Folgendes mitteilen. Bei Frage 3 des Unfallberichtes habe ich „ungeplantes Handeln“ angegeben. Sie baten mich, dies genauer zu beschreiben, was ich hiermit tun möchte.
Ich bin von Beruf Dachdecker. Am Tag des Unfalles arbeitete ich allein auf dem Dach eines sechsstöckigen Neubaus. Als ich mit meiner Arbeit fertig war, hatte ich etwa 250 kg Ziegel übrig. Da ich sie nicht die Treppe heruntertragen wollte, entschied ich mich dafür, sie in einer Tonne an der Außenseite des Hauses hinunterzulassen, die an einem Seil befestigt war, das über eine Rolle lief.
Ich band also das Seil unten auf der Erde fest, ging auf das Dach und belud die Tonne. Dann ging ich wieder nach unten und band das Seil los. Ich hielt es fest, um die 250 kg langsam herunterzulassen. Wenn Sie in Frage 11 des Unfallbericht-Formulares nachlesen, werden Sie feststellen, dass mein damaliges Körpergewicht etwa 75 kg betrug. Da ich sehr überrascht war, als ich plötzlich den Boden unter den Füßen verlor und aufwärts gezogen wurde, verlor ich meine Geistesgegenwart und vergaß, das Seil loszulassen.
Ich glaube, ich muss hier nicht sagen, dass ich mit immer größerer Geschwindigkeit am Gebäude hinaufgezogen wurde. Etwa im Bereich des dritten Stockes traf ich die Tonne, die von oben kam. Dies erklärt den Schädelbruch und das gebrochene Schlüsselbein. Nur geringfügig abgebremst setzte ich meinen Aufstieg fort und hielt nicht an, bevor die Finger meiner Hand mit den vorderen Fingergliedern in die Rolle gequetscht wurden. Glücklicherweise behielt ich diesmal meine Gestesgegenwart und hielt mich trotz des Schmerzes mit aller Kraft am Seil fest. Jedoch schlug die Tonne etwa zur gleichen Zeit unten auf dem Boden auf, und der Tonnenboden sprang aus der Tonne. Ohne das Gewicht der Ziegel wog die Tonne nun etwa 25 kg.
Ich beziehe ich mich an dieser Stelle wieder auf mein in Frage 11 angegebenes Körpergewicht von 75 kg. Wie Sie sich vorstellen können, begann ich nun einen schnellen Abstieg. In der Höhe des dritten Stockes traf ich wieder auf die von unten kommende Tonne. Daraus ergaben sich die gebrochenen Knöchel und die Abschürfungen an meinen Beinen und an meinem Unterleib.
Der Zusammenstoß mit der Tonne verzögerte meinen Fall, sodass meine Verletzungen beim Aufprall auf den Ziegelhaufen gering ausfielen, und so brach ich mir nur drei Wirbel. Ich bedauere es jedoch, Ihnen mitteilen zu müssen, dass ich, als ich da auf dem Ziegelhaufen lag und die leere Tonne sechs Stockwerke über mir sah, nochmals meine Geistesgegenwart verlor.
Ich ließ das Seil los, womit die Tonne diesmal ungebremst herunterkam, mir drei Zähne ausschlug und das Nasenbein brach.
Ich bedauere den Zwischenfall sehr und hoffe, Ihnen mit meinen präzisen Angaben dienen zu können. Für genaue Auskünfte bitte ich Sie, mich anzurufen, da es mir manchmal schwerfällt, mich schriftlich auszudrücken.

Hubert
Unabhängig davon, ob ich einen Krimi, einen normalen Roman oder ein Tierbuch schreibe, achte ich darauf, dass der Humor nicht zu kurz kommt. Zudem kann ich als Kölner kein Blatt vor den Mund nehmen. Das Ergebnis ist ein locker, flockiger Schreibstil, der auch die Erotik nicht außen vor lässt.
Hubert

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