Peinlich, peinlich

In dieser Story steht kein weibliches Wesen im Mittelpunkt. Die Situation an sich ist es. Die es verdient, schriftlichen Niederschlag zu finden.
Ein kleiner Wald. Genauer: einige Bäume, die verzweifelt versuchten, den Status Wald zu erreichen. Bei Insidern trotzdem bekannt als Liebeswäldchen.
Ob Wochentag oder Wochenende stets parkte im Liebeswäldchen Auto an Auto. Beschlagene Scheiben, schaukelnde Karossen verrieten den wahren Grund für das abgelegene Parken.
Wieder einmal hatte auch ich mich mit meiner Karre dort eingefunden. Nicht solo. Mit einem süßen Mädel. Mit der ich bald von den engen Vordersitzen auf die geräumigere Rückbank wechselte. In beiderseitigem Einverständnis beschränkten wir unsere Bekleidung auf Strümpfe. Bereit zu dem, was so unendlich viel Vergnügen bereitet, sahen wir uns verliebt in die Augen.
Plötzlich. Klopf, klopf.

„Polizei. Ziehen Sie sich an und öffnen Sie das Fenster“, störte eine befehlsgewohnte Stimme das sich anbahnende Idyll.
„Wirst du von den Bullen gesucht? Hast du irgendwas verbrochen?“ vergewisserte ich mich vorsorglich.
„Nein. Du?“
Egal, was die strenge Obrigkeit wollte, uns wie Adam und Eva zu präsentieren, ging nun überhaupt nicht. Schnell warfen wir uns in die Klamotten. Dass ich vor lauter Nervosität im Begriff stand, den BH des Mädels anzuziehen, merkte ich erst, als die Süße mich darauf aufmerksam machte. Erneutes klopf, klopf. Diesmal kräftiger und ungeduldiger.
„Ja, ja, mach keinen Aufstand, Bulle“, murmelte ich leise und kurbelte gleichzeitig die Fensterscheibe runter.
„Ja, wie kann ich Ihnen helfen?“
Mit der BH-Verwechslung vor Augen, konnte ich ein breites Grinsen in diesem Augenblick nicht unterdrücken. Sehr zum Unwillen des Ordnungshüters. Was er auch sofort mit lauter Stimme verkündete.
„Ich hoffe, Ihr Lachen gilt nicht meiner Person, mein Herr. Ich wüsste nämlich nicht, was es da zu lachen gibt. Mein Kollege und ich versehen schließlich nur unseren Dienst“.
Ich hätte den Gesetzeshüter nun dahingehend aufklären können, dass Grinsen nicht gleich Lachen ist. Doch ich schwieg. Wollte keinen unnötigen Ärger heraufbeschwören.
„Was kann ich denn für Sie tun, junger Mann?“ beförderte ich stattdessen den angegrauten 50jährigen zum jungen Mann.
„Wir möchten den Personalausweis Ihrer Begleiterin sehen. Ob sie alt genug für das ist, was Sie mit ihr hier treiben“.
Wieder viel es mir schwer, meine Klappe zu halten. Fand die Formulierung was Sie mit ihr treiben unglaublich despektierlich. Der Grund, warum ich schwieg, war schlicht die Tatsache, dass ich wirklich keine Ahnung hatte, wie alt die Süße war. Naiv, wie ich nun mal war, vermutete ich hinter den wohlgerundeten Formen keine Minderjährige.
Mit ungutem Gefühl in der Magenregion beförderte ich den Personalausweis aus der Hand der Süßen in die Pranke des Uniformierten. Der das amtliche Dokument penibel prüfte. Das ging sogar so weit, dass er dem Mädel mit einer Taschenlampe ins Gesicht leuchtete und mit dem Bild im Ausweis verglich.
Nach einer gefühlten Stunde hatte er sich davon überzeugt, dass es nichts zu beanstanden gab. Unzufrieden stampfte er zum nächsten Wagen. Störte dort, was ihm bei mir erfolgreich gelungen.
Bevor ich mit dem weitermachte, was von klopf, klopf unterbrochen wurde, musste
noch etwas geklärt werden.
„Wie alt bist du eigentlich, meine süße Maus?“
„Ich bin vor zwei Monaten achtzehn geworden!!!!!“
Uff. Puh. Aufatmen.
Gerade noch mal Glück gehabt. Hätte mir noch gefehlt, wegen Verführung einer Minderjährigen vor dem Kadi zu erscheinen.

Hubert
Unabhängig davon, ob ich einen Krimi, einen normalen Roman oder ein Tierbuch schreibe, achte ich darauf, dass der Humor nicht zu kurz kommt. Zudem kann ich als Kölner kein Blatt vor den Mund nehmen. Das Ergebnis ist ein locker, flockiger Schreibstil, der auch die Erotik nicht außen vor lässt.
Hubert

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